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Warum KI die Kreativität von Gestalter*innen eher hemmt – ein notwendiger Realitätscheck
Künstliche Intelligenz ist in der Kreativbranche angekommen. Sie verspricht Effizienz, Inspiration und unbegrenzte Möglichkeiten. Doch hinter dieser glänzenden Oberfläche verbirgt sich eine Entwicklung, die wir als Gestalter*innen nicht ignorieren dürfen. Denn so hilfreich KI‑Tools im Alltag sein können: Sie verändern unsere kreative Arbeit – und nicht unbedingt zum Besseren.
1. KI erzeugt Durchschnitt – nicht Originalität
KI ist kein kreatives Wesen. Sie produziert, was statistisch wahrscheinlich ist.
Das Ergebnis wirkt oft beeindruckend, aber es ist im Kern ein Remix aus bereits existierenden Bildern, Stilen und Ideen. Anders gesagt: KI stiehlt die Ideen Kreativer und sampelt beliebt neu. Ohne rechtliche Konsequenzen.
Das Problem:
Je mehr wir KI in unseren Prozess integrieren, desto stärker orientieren wir uns an diesem ästhetischen Durchschnitt. Statt mutiger Experimente entstehen Designs, die sich alle „irgendwie ähnlich“ anfühlen.
KI fördert Konvergenz, nicht Divergenz – und damit das Gegenteil von Kreativität.
2. Der kreative Prozess wird verkürzt – und damit verflacht
- Kreativität entsteht nicht im ersten Entwurf. Sie entsteht im Denken, im Zweifeln, im Verwerfen, im Neu‑Ansetzen.
- KI hingegen liefert sofort Ergebnisse. Das klingt effizient, aber es nimmt uns genau jene Reibung, die zu wirklich originellen Lösungen führt.
- Wenn der Prozess verschwindet, verschwindet auch die Tiefe. Was bleibt, ist ein hübsches Ergebnis ohne Substanz.
3. KI macht bequem – und Bequemlichkeit ist der Feind der Meisterschaft
Warum selbst skizzieren, wenn ein Prompt reicht? Warum recherchieren, wenn ein Modell „alles weiß“?
Diese Bequemlichkeit ist gefährlich. Sie lässt Fähigkeiten verkümmern, die Gestalter*innen über Jahre aufgebaut haben:
- visuelle Sensibilität
- konzeptionelles Denken
- Materialverständnis
- Beobachtungsgabe
Wer sich zu sehr auf KI verlässt, verliert langfristig die Fähigkeit, eigenständig starke Ideen zu entwickeln.
4. Der Fokus verschiebt sich vom Inhalt zur Bedienung
- Kreativität beginnt im Inneren: in Erfahrungen, Emotionen, Widersprüchen, in dem, was wir ausdrücken wollen. KI dagegen ist ein externes Werkzeug, das ständig Input verlangt. Viele Gestalter*innen fragen plötzlich nicht mehr:
- „Was will ich sagen“, was passt zum Unternehmen, sondern: „Wie muss ich den Prompt formulieren, damit die KI etwas Gutes ausspuckt“
- Der kreative Fokus wandert vom Inhalt zur Technik. Das ist eine gefährliche Verschiebung.
5. KI nivelliert Expertise – und macht echte Kreativität unsichtbarer
- Wenn jeder mit wenigen Klicks „professionell aussehende“ Ergebnisse erzeugen kann, verliert gestalterische Expertise an Wert.
Der Markt wird überflutet mit KI‑Content, der schnell produziert, aber selten durchdacht ist. - In diesem Lärm wird es für echte Kreativität schwerer, sichtbar zu bleiben.
Qualität wird von Quantität überrollt.
6. KI schafft Abhängigkeit – und Abhängigkeit ist das Gegenteil von kreativer Freiheit
- Je mehr wir KI nutzen, desto schwerer fällt es, ohne sie zu arbeiten. Das ist nicht nur ein technisches Risiko, sondern ein kreatives.
- Wer seine Ideenproduktion auslagert, verliert die Fähigkeit, sich selbst zu überraschen. Und Überraschung ist der Kern jeder kreativen Leistung.
Fazit: KI ist ein Werkzeug – aber kein kreativer Partner
- KI kann unterstützen, beschleunigen, inspirieren. Aber sie kann nicht fühlen, nicht zweifeln, nicht ringen, nicht mutig sein.
- Echte Kreativität braucht genau das. Sie braucht Persönlichkeit, Haltung, Erfahrung, Intuition. Sie braucht den Mut, etwas zu sagen – und nicht nur etwas zu generieren.
Wenn wir KI unkritisch in unseren kreativen Prozess integrieren, riskieren wir, genau das zu verlieren, was unsere Arbeit wertvoll macht: unsere eigene Stimme.
Die unglaubliche Geschichte mit der ROSA LUFT
Der amerikanische Werbefachmann Howard Gossage schuf einst eine Werbung für den Mineralölkonzern Fina, die in die Geschichte der Werbung einging. Benzin gilt ja nun als eines der austauschbarsten Güter und der Verbraucher kennt wenig rationale Gründe, der einen Marke, den Vorzug vor der anderen zu geben.
So erfand Gossage den Zusatz „Rosa Luft“; eine überragende Media-Idee. Fina versprach also seinen Kunden, rosa Luft in die Reifen zu füllen und bot als kleines Geschenk zum Beispiel rosa Ventilkappen oder rosarote Luftballons an – kostenlos abzuholen – an der Tankstelle!
Die Idee war verrückt, aber sie funktionierte.
Die Leute gaben Fina den Vorzug, weil es dort eben ein interessantes kleines Extra gab.
So muss Werbung sein. Einzigartig. Mit starken Bildern.
Und sie muss vor allem – verkaufen!
“Der Erfinder des Einspritzvergasers kam und kam nicht weiter – bis er seine Frau einen Parfümzerstäuber benutzen sah.”
Wer nimmt sich heute noch Zeit zum Spinnen, Grübeln, Nachdenken; Zeit, neue Eindrücke zu sammeln und diese auf sich wirken zu lassen? Alles muss schnell gehen, effizient sein, sofort zum Ergebnis kommen. Ganz ehrlich: Außergewöhnliche oder brillante Ideen werden selten in einem funktionalem Büroraum oder Konferenzzimmer entwickelt. Sie entstehen auch nicht unter Zeitdruck. Ideen brauchen, wie alles Gute, Zeit zu wachsen und zu reifen, um am Ende, die Basis für eine tragfähige Konzeption zu werden. ThinkPink nimmt sich Zeit für Ideen.
Auf Wunsch auch gemeinsam mit Ihnen …
… vielleicht bei einem Spaziergang oder in einem ruhigen Café.